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Wie man Ideen Wirklichkeit werden lässt: SarAI – eine digitale pharmazeutische Lösung an der Startup School

Mit dem Ziel, die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren und die Wartezeit für Patienten in einem unterbesetzten Gesundheitssystem zu verkürzen, nahm ein Team im Juli 2021 an der Startup School (einem Innovationsprogramm des hei_INNOVATION-Inkubators der Universität Heidelberg) teil. Ihr Ziel war es, ein tieferes Verständnis dafür zu bekommen, wie man Patienten einen Mehrwert bietet und gleichzeitig ein tragfähiges Unternehmen entwickelt. Im Rahmen des Programms haben sie eine digitale pharmazeutische Lösung entwickelt, die SarAI, eine App für orale Chemotherapien, um Patienten zu unterstützen, die sich mit der Dosierung ihrer Medikamente auseinandersetzen müssen. Wir begrüßen Juanjiangmeng Du, Federica Fiorentino und Hossein Ghafarian Mabhout in unserem Blog, die ihre Einblicke und Erfahrungen mit dem Startup School Programm mit uns teilen und uns erzählen, was sie mitgenommen haben.

 

On-boarding Überraschungsbox

Warum habt ihr an der Startup School teilgenommen?

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten zwei Jahrzehnten dank der Verbesserungen im modernen Gesundheitswesen um 5 Jahre gestiegen. Gleichzeitig ist angesichts der raschen Alterung der Bevölkerung und des drastischen Kostenanstiegs für stationäre Behandlungen ein effizienter Ansatz für ein intelligentes Gesundheitssystem dringend erforderlich. Digitale Gesundheitslösungen senken nicht nur die Behandlungskosten durch die Möglichkeit der Telebehandlung, sondern können auch durch den Einsatz von KI-Algorithmen Krankheiten von vornherein verhindern oder in einem frühen Stadium diagnostizieren. Dies senkt nicht nur die Kosten für das Gesundheitssystem, sondern verringert auch die Wartezeit bei der Behandlung von Patienten in einem unterbesetzten Gesundheitssystem, das mit der schnell alternden Bevölkerung nicht Schritt halten kann.

 

Die Entwicklung einer solchen Lösung ohne Berücksichtigung aller rechtlichen Hindernisse scheint machbar zu sein. Was die Hard- und Software angeht, so kann die derzeitige Technologie eine solche Lösung ermöglichen. Als wir jedoch erfuhren, welche Vorschriften für Daten und insbesondere für sensible Daten wie Patientendaten gelten, verließ uns die Energie für kreatives Denken. Um besser zu verstehen, wie wir einen Mehrwert für die Patienten schaffen und ein profitables Unternehmen entwickeln können, nahmen wir im Juli 2021 an der Startup School teil.

 

Wie läuft die Startup School ab?

Das Startup School Program wurde sehr schön und strategisch gestaltet, von den überraschenden Onboarding-Boxen bis hin zu interaktiven Online-Workshops und Offline-Treffen im Freien, die die Teilnehmer von Anfang bis Ende einbinden. In diesem Jahr konzentriert sich das Programm auf das Thema „Innovation im Zeitalter der KI“ und zielt darauf ab, die Teilnehmer bei der Entwicklung umsetzbarer Lösungen für echte Herausforderungen anzuleiten.

 

Was habt ihr gelernt?

Das Programm umfasst verschiedene Formen von Ausbildungen: Sprints, Workshops und Gastseminare, die ein dynamisches Lernumfeld schaffen.

Zu den Sprints gehören Design Thinking Sprints, AI Design Sprints und Business Model Innovation Sprints. Mit Hilfe von professionellen Coaches haben wir klare Möglichkeiten für innovative Produktdesigns formuliert. Die Workshops und Seminare konzentrierten sich auf die Vermittlung von unternehmerischen Fähigkeiten wie Networking, Kommunikation und Pitching. Im Laufe des Programms hatten wir auch die Möglichkeit, Interviews zu führen und uns mit einer Vielzahl von erfahrenen Fachleuten zu vernetzen.

 

Was habt ihr gemacht?

Im Rahmen der STARTUP School bildeten wir ein sechsköpfiges Team und stellten uns einer von Sanofi gestellten Herausforderung im Gesundheitswesen – der Entwicklung einer patientenorientierten Lösung zur Verbesserung ihrer Gesundheit.

Nach der Durchführung von Literatur- und Marktrecherchen beschlossen wir, eine digitale pharmazeutische Lösung zu entwickeln, um Patienten bei der Einnahme ihrer Medikamente zu unterstützen. In unserem Prototyping haben wir uns aus drei Gründen auf Brustkrebspatientinnen konzentriert, die sich einer oralen Chemotherapie unterziehen. Erstens ist Brustkrebs eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen im postmenopausalen Alter.  Zweitens wird die orale Chemotherapie von Krebspatientinnen immer mehr bevorzugt, da sie mehrere Vorteile bietet: Bequemlichkeit, weniger Schmerzen und Zeitersparnis. Drittens ist die Wirksamkeit der oralen Chemotherapie trotz der genannten Vorteile nicht so hoch wie erwartet, was auf einen einfachen Grund zurückzuführen ist, nämlich das Vergessen der Medikamenteneinnahme, vor allem, wenn die Anzahl der Tabletten im Falle von Ko-Behandlungen höher ist.

Um den Schmerzpunkt bei der Behandlung von Brustkrebs anzugehen, haben wir SarAI entwickelt, eine App für die orale Chemotherapie, die an die Einnahme von Medikamenten erinnert, Nebenwirkungen der Chemotherapie prüft (z. B. die Sehkraft) und wissensbasierte Entscheidungshilfen für die Behandlung von Brustkrebs bietet. Darüber hinaus kann die App tägliche Motivation senden und Geschichten von ähnlich kranken Patientinnen teilen, die den Krebs bereits besiegt haben, um die Patientinnen zu befähigen, selbstbewusst an ihrer eigenen Behandlung teilzunehmen. SarAI zeichnet sich durch eine altersgerechte Benutzeroberfläche aus, die durch moderne Algorithmen des maschinellen Lernens unterstützt wird (Modelle zur Analyse von Zeitseriendaten und Frage-Antwort-Transformatoren). Hier ist eine Demo von SarAI auf Youtube.

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Wer sollte sich für die Startup School bewerben?   

Studenten und Berufstätige, die ihr unternehmerisches Potenzial und ihre Kreativität weiterentwickeln und gleichzeitig lernen wollen, wie sie auf ihre eigenen Ideen vertrauen können und wie sie in der Teamarbeit das Beste aus ihnen herausholen können.

 

Welche Erkentnisse habt ihr gewonnen?

Meine Sonnenblume mit Samen aus der Überraschungsbox

Erstens ist es wichtig, ein multifunktionales Team zusammenzustellen. Die Kenntnisse und Soft Skills unserer Teammitglieder ergänzen sich gegenseitig und sind notwendig, um die entsprechenden Teile des Prototyps zu bauen. Zweitens ist die Kombination von Lernbereitschaft und Kooperationsbereitschaft mit Wissen und Fähigkeiten die Voraussetzung für ständige Verbesserungen. Drittens ist bei der Entwicklung digitaler Gesundheitslösungen das Verständnis des rechtlichen Rahmens unerlässlich.

Nachdem wir über die aktuellen regulatorischen Bemühungen in der EU informiert wurden, die mehr als ein Jahr für einen KI-Regelungsrahmen in der EU benötigen könnten, und die Überarbeitung der aktuellen GDPR noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen kann, sahen wir gewisse Ineffizienzen beim Versuch, eine KI-gestützte Lösung in diesem Bereich zu starten. Diese Unzulänglichkeiten sind: (1) das Fehlen einer sicheren Cloud-Infrastruktur in der EU, der alle Akteure des Gesundheitswesens vertrauen; (2) die hohen Kosten für behördliche Zertifikate und Gebühren; (3) die Beschränkungen für Geschäftsmodelle im Bereich der digitalen Gesundheit aufgrund der ethischen Fragen im Zusammenhang mit Patientendaten. Infolgedessen wird es für Start-ups finanziell besonders schwierig und unattraktiv, KI-gestützte digitale Innovationen in das Gesundheitssystem einzuführen.