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„Ich möchte meine 3-Millionen-Euro-Runde bis Ende des Monats abschließen.“ – warum Finanzierung nicht einfach ist und wie Sie dennoch erfolgreich werden

Caroline Saï ist seit mehr als drei Jahren die europäische Koordinatorin des EIT Health Investor Network und hat viele Start-ups durch den Prozess geführt. Sie weiß: Ein Start-up optimal darzustellen und das Interesse von Investoren zu wecken, ist ein Prozess, der Aufwand und Zeit erfordert – oft mehr, als den Start-ups zunächst bewusst ist.

Das EIT Health Investor Network hilft dabei, qualifizierte Unternehmen, die eine Finanzierung in der Frühphase suchen, mit mehr als 80 europäischen Investoren im Gesundheitswesen zu verbinden. Das Netzwerk verbindet Start-ups mit Risikokapitalgebern, Corporate-Venture-Fonds, Family Offices, Angel-Netzwerken und Super-Angels, die den Ehrgeiz teilen, die innovativsten Ideen schneller auf die Gesundheitsmärkte zu bringen.

Um Start-ups dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen und einen realistischen Plan für den Umgang mit Finanzierungsrunden zu erstellen, verrät Caroline ihre drei wichtigsten Tipps um sich erfolgreich aufzustellen.

 

Kommen wir mal aus unseren Luftschlössern heraus und werfen wir einen genauen Blick darauf, wie die Dinge in Europa bei der Beschaffung von Eigenkapital in der Frühphase wirklich laufen.

Ich staune regelmäßig über junge Start-ups, die sich für ihr Fundraising an uns (EIT Health Investor Network) wenden und auf die Frage nach ihrem Zeitplan bis zum Closing allen Ernstes und zweifelsfrei „am Ende des Monats“ antworten.

Verwässernde Finanzierung ist nicht einfach.

Der Prozess ist mühsam, langwierig und meistens werden Sie Investoren finden, die mehr Gründe haben, „nein“ zu sagen statt „ja“.

Bereiten Sie sich also auf einen herausfordernden Prozess vor, der zwischen 3 und 12 Monaten dauern kann.

 

Kenne deine 6 Ws 

Wenn Sie alle Ihre Attribute und Ziele zusammenfassen und Ihre Daten zu Mehrwert, Marktfitness und Wirksamkeit in einer überzeugenden Präsentation mit klaren Finanzdaten darstellen können, sind Sie für den nächsten Schritt gerüstet. Es kommt alles darauf an, Ihre 6 Ws : Wer, Was, Wann, Wo, Warum und Wie zu kennen und in der Sprache der Inverstoren zu formulieren: Exits, ROI, Bewertung und so weiter.

 

Mach deine Hausaufgaben

Wenn Sie ein Start-up in der Frühphase sind, das verwässernde Mittel aufbringt, müssen Sie möglicherweise Angels Groups, Family Offices, Early-Stage-Venture-Fonds oder sogar Corporate-Venture-Fonds in Ihrem eigenen Land und höchstwahrscheinlich über die Grenzen hinaus kontaktieren.

Jeder wird eine Anlagethese haben, die einschränkend sein kann in Bezug auf:

  • Geografische Position
  • Entwicklungsstufe
  • Ticketgröße
  • Exitzeitpunkt
  • Vertikal
  • Fondsgröße und Zyklus

Indem Sie Zeit und Energie damit verschwenden, die falschen Investoren zu kontaktieren, verschießen Sie Ihr Pulver. Seien Sie also sehr gründlich, wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen, oder lassen Sie sich von Fachleuten helfen, diejenigen zu identifizieren, die Sie an den Tisch ziehen möchten.

Nehmen wir nun an, Sie sind vorbereitet und bereit, Ihr großartiges Deck an die identifizierten Investoren zu senden. Was passiert als nächstes? Sie warten und hoffen auf eine E-Mail, die Ihnen entweder weitere Fragen stellt oder Sie zu einem Pitch einlädt. Das ist das best-case Szenario, das nicht zwei oder drei Erinnerungen erfordert, nur um zu sehen, ob sie Ihre wertvolle Nachricht erhalten haben, während Sie vergeblich warten.

Seien wir zuversichtlich und spulen vor zu Ihrer „Pitch“-Tour, bei der besagte Investoren von Ihrem Projekt begeistert sind und tief in alle verborgenen Ecken Ihres Unternehmens/Projekts/Produkts/Marktes eintauchen möchten.

 

Der Datenraum

Verbindungen werden hergestellt, Netzwerke werden aktiviert und die Ermittlungen laufen. Bereiten Sie Ihre Verträge, IPs, Ihre KOL-Kontakte, Jahresabschlüsse, Cap-Tabellen, Zertifikate, Vermögenswerte usw. vor. Stellen Sie diese schnell und auf organisierte und transparente Weise bereit, die nicht nur Vertrauen und Professionalität schaffen, sondern auch diesen gesamten Due Diligence-Prozess beschleunigen.

Je nach Höhe der eingeworbenen Summe und Anzahl der beteiligten Investoren wird dann ein Lead entstehen, Rechtsberater kommen hinzu und Gespräche mit allen Interessierten führen hoffentlich zu einem Letter of Intent oder Term Sheet und schließlich zu CASH in Ihrer Bank.

Stellen Sie sich vor, das alles in 30 Tagen zu stemmen! Nicht wahrscheinlich.

Aus meiner eigenen Erfahrung als Leiterin des EIT Health Investor Networks dauert es umso länger, je mehr Sie sammeln und je mehr Parteien beteiligt sind. Mein Rat? Obwohl dies keine exakte Wissenschaft ist – planen Sie im Voraus, holen Sie sich Unterstützung und erwarten Sie, Ihren ursprünglichen Zeitplan um 2/3 Monate verlängern zu müssen.

Zu guter Letzt: Nur Bares ist Wahres. Seien Sie bei Ihrer Einschätzung des Cashflow-Bedarfs nicht zu konservativ.

Ich gratuliere allen Unternehmern zu Ihrem Enthusiasmus und Ihrer Energie, Ihr Projekt zum Leben zu erwecken und es in Richtung Wachstum zu pflegen.

 

Bei Anmerkungen oder Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter investors@eithealth-investornetwork.eu

 

Caroline Saï

Head of the EIT Health Investor Network