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Zweite Runde des Headstart-Programms – Treffen Sie die Gewinner-Teams

Ein kurzes Gespräch mit den Gewinner-Teams der zweiten Runde des Headstart-Programms

Am 13. November 2020 veranstalteten wir im Rahmen der Frontiers Health Conference den Demo-Day der zweiten Runde des Headstart-Programms. Drei Start-ups beeindruckten die Jury und nahmen den Headstart Award mit nach Hause: Advosense GmbH, flowbone SA und MedKitDoc. Herzlichen Glückwunsch an die Teams und wir hoffen, dass der Headstart-Award ihnen den nötigen Schub gibt, um ihre Ideen zu verwirklichen! Wenn Sie mehr über die Gewinner-Teams erfahren möchten… Wir haben uns kurz mit ihnen über die bisherigen Herausforderungen, die nächsten Schritte und ihre Gedanken zur Digitalisierung des Gesundheitswesens unterhalten. Hier kommen die Antworten…

  • Was ist die Geschichte deines Start-ups? 

Dorian Koch, MedKitDoc: Die Geschichte von MedKitDoc ist eine persönliche Geschichte: Jedes Mal, wenn meine Frau und ich in den Urlaub fuhren, riefen wir meinen Bruder an, um medizinischen Rat im Falle einer bevorstehenden Krankheit zu erhalten (was aus irgendeinem Grund immer nur einem von uns im Urlaub passiert). Er ist Arzt und hat immer versucht, uns über Facetime oder Chat-Bilder zu helfen. Als unsere Oma älter und weniger mobil wurde, wurden diese Anrufe häufiger und ernsterer Natur. Mein Bruder – und jetzt Mitgründer – fragte immer nach medizinischen Geräten, um besser Ferndiagnosen stellen zu können. Ich habe in der Vergangenheit vernetzte Geräte entwickelt und so begannen wir, unser Wissen zu kombinieren. So begannen wir, unser erstes MedKit für den privaten Gebrauch innerhalb der Familie zu bauen, lange vor der Corona-Pandemie.

Martina Viduka, Advosense: Wir begannen unsere Reise in Berlin im November 2019 auf dem Hacking Female Health Event mit einem sechsköpfigen Team. Nach diesem inspirierenden Wochenende haben wir beschlossen, die Reise fortzusetzen und Innovationen zu nutzen, um unseren Patienten und unserer Health-Community zu helfen. Erin kommt aus den Vereinigten Staaten nach Berlin und hat eine Leidenschaft für und Expertise in Gesundheitssystemen und ist motiviert, neue Lösungen für die Versorgung zu finden. Martina hat als Krankenschwester (registered nurse) in Kanada und im Ausland am Krankenbett gearbeitet. In Berlin nutzt sie diese Erfahrung und ihre Leidenschaft, um sich für unsere ältere Bevölkerung einzusetzen, indem sie ihren Kolleginnen und Kollegen das Handwerkszeug dazu gibt. Grace-Anne kommt aus Großbritannien und bringt mit ihrer Erfahrung im Bereich Start-up und Marketing einen anderen Blickwinkel in das Team, um unsere Strategie für den Gesundheitssektor zu stärken. Dies ist erst der Anfang und wir können das nicht alleine schaffen; wir freuen uns darauf, das Team zu erweitern und weitere neugierige und leidenschaftliche Menschen auf unsere Mission mitzunehmen.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Ich habe die „Local Bone Seeding“-Technologie von flowbone während meiner Doktorarbeit an der EPFL entdeckt. Nach der Entdeckung dauerte es mehrere Jahre, um die Funktionsweise besser zu verstehen und den Produktionsprozess zu entwickeln, bevor das Start-up im Sommer 2020 gegründet wurde.

  • Dein “Elevator Pitch”?

Dorian Koch, MedKitDoc:  MedKitDoc verbindet Ärzte, zertifizierte medizinische Geräte und Patienten auf eine Art und Weise, die als revolutionär für medizinische Fernkonsultationen bezeichnet werden kann – in dieser Hinsicht können wir die Möglichkeiten heutiger Telemedizin-Anbieter fast verdoppeln. Durch den Einsatz von MedKitDoc, können Ärzte über unser „MedKit“ Fernzugriff auf die Vitalparameter der Patienten zugreifen. Dieses Kit besteht aus mehreren angeschlossenen medizinischen Geräten, die Blutdruck, Puls oder Sauerstoffgehalt im Blut messen, Lungengeräusche aufzeichnen und sogar ein Elektrokardiogramm aufnehmen können. Indem wir es Ärzten ermöglichen, Patienten über unsere Plattform zu diagnostizieren und zu konsultieren, reduzieren wir das Infektionsrisiko, sparen wertvolle Zeit der Patienten, machen gute Gesundheitsversorgung für alle zugänglicher und ermöglichen es Ärzten, in viel mehr Fällen als bisher, von überall aus zu arbeiten.

Martina Viduka, Advosense: Advosense verfolgt die Mission, die geriatrische Versorgung für Patienten und Kliniker weltweit zu verbessern. Wir starten mit der Inkontinenz, weil sie so viele geriatrische Patienten betrifft – über 70 % in deutschen Pflegeheimen. Der Pflegeprozess bei Inkontinenz produziert eine Menge Verschwendung im Gesundheitssystem wie Zeit, Geld und Material und ist ein erheblicher Schmerzpunkt nicht nur für die Organisationen und Kliniker, sondern beeinträchtigt auch die Lebensqualität unserer Patienten und Familien. Wir entwickeln ein Sensorsystem für einen Inkontinenzslip (Windel) für Erwachsene, das in Echtzeit das Pflegepersonal benachrichtigt, wenn der Patient inkontinent wird. Indem wir diese Daten den Klinikern zur Verfügung stellen, befähigen wir sie, eine einfachere und bessere Pflege zu leisten und den Prozess zu rationalisieren. Besonders bei unserem Produkt konzentrieren wir uns auf die einfache Integration in die aktuelle Pflegeroutine, die den Schlüssel zum Erfolg darstellt.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: flowbone entwickelt ein injizierbares, bioaktives Gel zur Stärkung osteoporotischer Knochen, um verheerende Hüftfrakturen zu verhindern.

  • Was war die größte Herausforderung, aber auch der größter Erfolg bisher?

Dorian Koch, MedKitDoc: Natürlich mussten wir als Gründer viele Herausforderungen überwinden, um unseren Status quo zu erreichen. Eine Bedingung, die den Aufbau eines Digital Health Start-ups besonders herausfordernd macht, ist der Umgang mit einer hohen Anzahl von regulatorischen Hindernissen. Verstehen Sie mich nicht falsch – diese Vorschriften haben definitiv ihre Daseinsberechtigung, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten. Allerdings haben wir eine ganze Weile gebraucht, um die Besonderheiten jeder einzelnen Gesetzgebung herauszufinden, bis wir nun einen Punkt erreicht haben, an dem wir wissen, wie wir MedKitDoc in den kommenden Monaten positionieren und zertifizieren können. Als Ergebnis der Überwindung dieser Herausforderungen konnten wir in den ersten Monaten, in denen wir MedKitDoc als Team aufgebaut haben, mehrere große Erfolge verzeichnen – vom Auspacken der ersten voll funktionsfähigen MedKits über die ersten eingehenden Anfragen, bis hin zum Gewinn der EIT Headstart-Förderung. Ein Moment, der unter diesen Meilensteinen besonders hervorsticht, war der Erhalt des ersten positiven Feedbacks von den ersten Patienten, die MedKitDoc genutzt haben. Zu sehen, wie unser Produkt und unser Service den Zugang der Patienten zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung verbessern kann, motiviert uns, hart zu arbeiten und unser Bestes zu geben, um die Verfügbarkeit von MedKits innerhalb des europäischen Gesundheitssystems zu erhöhen.

Martina Viduka, Advosense: Dass das gesamte Team aus dem Ausland kommt, bringt viele Herausforderungen mit sich. Wir haben jedoch ein umfangreiches Netzwerk von erstaunlichen Menschen innerhalb Deutschlands, der EU und natürlich unserer Heimatbasen kultiviert. Durch das Vision Health Pioneers Incubator Program, die Deep Tech Community, die Bereitschaft des Start-up-Ökosystems hier in Berlin, sich zu verbinden und auszutauschen, und jetzt das EIT-Netzwek, fühlen wir uns in der Gemeinschaft, die wir aufgebaut haben, unglaublich erfolgreich, besonders in diesen Zeiten. Wir sind unglaublich dankbar dafür, wohin uns das gebracht hat.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Unsere größte Herausforderung ist der regulatorische Weg für unser hochinnovatives Produkt. Der größte Erfolg war der Gewinn einer Reihe von wichtigen Förderungen, darunter zuletzt der EIT Health Headstart.

  • Als Gewinner des Headstart-Awards, wie geht es jetzt weiter?

Dorian Koch, MedKitDoc: Wir werden uns darauf konzentrieren, unsere Lösung in das öffentliche Gesundheitssystem zu bringen. Schon heute sind wir in der Lage, Privatversicherte/ selbstzahlende Patienten zu bedienen. Allerdings sind vor allem in Deutschland, aber auch in einigen anderen europäischen Ländern, die meisten Menschen in einer gesetzlichen Krankenversicherung, die zusätzliche Zertifizierungen und Verfahren erfordert.

Martina Viduka, Advosense: Feiern! Wir freuen uns sehr, als einer der Gewinner des Headstart Awards ausgewählt worden zu sein. Die Finanzierung wird uns nicht nur ermöglichen, unsere Produktentwicklung fortzusetzen, während wir weitere Finanzmittel sichern, sondern der Zugang zur EIT-Community und den Netzwerken wird unbezahlbar sein. Unser nächster großer Schritt wird sein, uns auf die weitere Entwicklung und Bewertung unseres Produkts zu konzentrieren, und wir sind derzeit auf der Suche nach klinischen Partnerschaften, um das Sensa-System zu testen.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Unser nächster großer Schritt ist der Auszug aus den Räumlichkeiten der EPFL in unsere eigenen Büro- und Laborräume einschließlich der Einrichtung einer Reinraumproduktion. Sobald dies geschehen ist, werden wir mit den offiziellen präklinischen Studien beginnen.

  • Digital Health ist heutzutage das Schlagwort schlechthin. Welches war der letzte digitale Gesundheitsdienst, den Du genutzt hast?

Dorian Koch, MedKitDoc: Dr. on Demand ist wirklich ein großartiges Beispiel für eine positive Benutzererfahrung für einen Telemedizin Anbieter, insbesondere auf Android.

Martina Viduka, Advosense: Wir haben das Glück, gesund zu sein und im Moment nicht viel vom Gesundheitssystem in Anspruch nehmen zu müssen. Allerdings haben wir uns mehr und mehr Wellness- und Präventionsanwendungen für Achtsamkeit und psychische Gesundheit zugewandt, zusammen mit Ärzte-Buchungsplattformen, die es viel einfacher machen, Termine zu vereinbaren und bei Bedarf Hilfe zu erhalten.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Ich habe vor kurzem einen telemedizinischen Dienst genutzt und war sehr zufrieden mit der Effizienz und der Zeitersparnis.

  • Gibt es eine digitale Gesundheitsinnovation, die Sie unbedingt in die Regelversorgung aufgenommen sehen möchten?

Dorian Koch, MedKitDoc: MedKitDoc, natürlich. 😉

Martina Viduka, Advosense: Wir hoffen wirklich auf mehr pflegebezogene Innovationen, die bei den Pflegeroutinen helfen. COVID-19 hat noch deutlicher gemacht, dass unsere Kliniker digitale Innovationen und Unterstützung brauchen, nicht nur um die grundlegenden Pflegeanforderungen zu erfüllen, sondern auch um unseren Patienten eine hochwertige, mitfühlende Pflege zu bieten.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Hmm, im Moment kann ich noch nichts nennen. Aber ich habe auch noch nicht viel nachgeschaut, was in der digitalen Gesundheitspipeline ist.

  • Was hält die Zukunft für dein Start-up bereit? 

Dorian Koch, MedKitDoc: MedKitDoc wird der führende europäische Player für komplexe Fernkonsultationen werden. Unsere MedKitDoc-Plattform wird die Integration für alle relevanten medizinischen Geräte ermöglichen und eine nahtlose Datenübertragung zu Ärzten und allen Patientenakten ermöglichen. Darüber hinaus können Patienten am Point-of-Care auf eine Ferndiagnose inklusive einer riesigen Vielfalt an Tests zugreifen.

Martina Viduka, Advosense: Dies ist erst der Anfang unserer Reise und wir werden gemeinsam mit unseren Klinikern weitere Innovationen entwickeln, um Technologien am Krankenbett zu entwickeln, die Patienten und Pflegepersonen weltweit helfen.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Wir sehen „Local Bone Seeding“ als eine Technologieplattform, die für die Behandlung von Knochenbrüchigkeit und -verlust unterschiedlicher Herkunft geeignet ist. Daher sehen wir flowbone als ein F&E-fokussiertes Unternehmen mit der Mission, hochinnovative Knochenbiomaterialien auf den Markt zu bringen.

  • Welche Health-Tech-Trends sehen Sie in den nächsten Jahren auf Europas Start-ups zukommen?

Dorian Koch, MedKitDoc: Die Medizin wird dezentraler und persönlicher. Wir reduzieren Ineffizienzen und Wartezeiten in unserem Gesundheitssystem und ermöglichen den Menschen, mit wenigen Klicks auf innovative Gesundheitslösungen zuzugreifen. Die Qualität der Versorgung wird zum wichtigsten Kriterium für die Auswahl eines Dienstes – nicht die geografische Nähe zum Patienten.

Martina Viduka, Advosense: Wir glauben, dass digitale Trends weiter an Zugkraft gewinnen und einen Platz nicht nur in Gesundheitsorganisationen, sondern zunehmend auch in der häuslichen Pflege finden werden. Unsere Produktentwicklung spiegelt viele der wichtigsten Branchen- und sozioökonomischen Trends wider, wie z. B. Value-based Healthcare, Personalmangel und jetzt mit COVID-19 den Trend zu digitalen Gesundheitslösungen und Fernüberwachung. Wir gehen davon aus, dass andere Start-ups in Europa neue Möglichkeiten finden werden, in diesen Bereichen zu wachsen.

Ulrike Kettenberger, Flowbone: Ein klarer Trend, den wir sehen, ist der Einsatz von KI in Diagnosetools und für die Planung von individualisierten Therapien. Viele Startups arbeiten bereits an Lösungen, die auf KI basieren, und wir erwarten, dass dies in vielen Bereichen der Medizin schnell zum Standard wird.