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Weltdiabetestag 2020 – Einen Zusammenhang herstellen, um Ergebnisse mit iPDM-GO zu verbessern

Zum Weltdiabetestag sprechen wir mit Dr. Dagmar Kownatka über die Umsetzung eines integrierten, personalisierten Diabetes-Management Konzepts durch das iPDM-GO Projekt.

Am 14. November eines jeden Jahres wird der Weltdiabetestag gefeiert. Der Weltdiabetestag wurde 1991 von der International Diabetes Federation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die weltweit steigende Diabetesrate zu erhöhen. 2020 liegt der Schwerpunkt auf Der Krankenschwester und Diabetes, um die wichtige Rolle der Krankenschwestern bei der Unterstützung von Menschen mit Diabetes hervorzuheben.

Zu diesem Anlass interviewten wir Dr. Dagmar Kownatka, Leiterin von Healthcare Transformation & VBHC bei Roche Diabetes Care und Projektkoordinatorin von iPDM-GO, einem EIT Health Innovationsprojekt, dessen Ziel es ist, den iPDM-Ansatz mit innovativer personalisierter Gesundheitstechnologie zu verbessern und ergebnisorientierte Gesundheitszahlung einzuführen.

Lassen Sie uns herausfinden, was die neuesten Entwicklungen im Projekt sind.

1.  Jedes Jahr findet am 14. November der Weltdiabetestag statt, um auf einen Zustand aufmerksam zu machen, mit dem täglich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leben. Was ist der Zusammenhang zwischen iPDM-GO und Diabetes?

iPDM-GO steht für „integrated Personalised Diabetes Management Goes Europe“  ̶  das Konzept basiert auf einer Publikation von Antonio Ceriello et al. aus dem Jahr 2012. Die Idee ist, die Person in den Mittelpunkt des Pflegeprozesses zu stellen und sie mit digitalen Tools zu unterstützen. Roche Diabetes Care hat eine Studie (PDM ProValue) initiiert und durchgeführt, um das Konzept zu testen. Mit iPDM-GO möchten wir es zusammen mit unseren Konsortialpartnern in einem realen Umfeld einführen.

2. Welche Auswirkungen hat Diabetes auf Einzelpersonen und die Gesellschaft im Ganzen?

Derzeit schätzt die International Diabetes Federation, dass weltweit über 460 Millionen Erwachsene mit Diabetes leben. Diese Zahl wird voraussichtlich bis zum Jahr 2045 auf 700 Millionen ansteigen. Dies stellt eine enorme Belastung für die Patienten, aber auch für ihre Pflegekräfte und die Gesellschaft insgesamt dar, einschließlich unter anderem der steigenden Gesundheitsausgaben. Als chronische Erkrankung stellt Diabetes die betroffenen Menschen vor eine ständige Herausforderung, da diese Personen jeden Tag danach streben, ihre Behandlungsziele zu erreichen und mit dieser chronischen Erkrankung gut zurechtzukommen. Die übliche Behandlung sieht vor, dass die Betroffenen ihren Arzt nur viermal pro Jahr aufsuchen. Wenn sie ihren Blutzuckerspiegel nicht im Rahmen halten können, kann dies schwerwiegende Folgen für den Einzelnen haben, da beispielsweise ausgeprägte Schwankungen des Blutzuckerwertes zu schweren sekundären Komplikationen führen können, wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfälle. Andere Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes sind Nierenversagen oder Amputationen aufgrund von unterversorgten Gefäßen. Demenz und Depressionen, die ebenfalls häufig mit dieser chronischen Erkrankung verbunden sind, belasten den Patienten zusätzlich.

3. Während die mit Diabetes verbundenen Kosten weiter steigen, erreichen viele Menschen mit Diabetes ihre Behandlungsziele immer noch nicht. Wie geht iPDM-GO damit um?

iPDM ist ein interventioneller Ansatz, der aus einem strukturierten Krankheitsmanagementprozess besteht, digitale Hilfsmittel verwendet und es anstrebt, Ärzte und Patienten zusammenzubringen, um gemeinsam über die Therapieziele und -anpassungen zu entscheiden. Die PDM ProValue-Studie zeigte, dass die Blutzuckerkontrolle sowie die Behandlungszufriedenheit mit iPDM sowohl für den Patienten als auch für den behandelnden Arzt verbessert werden kann. Wir bei Roche Diabetes Care sind der festen Überzeugung, dass das Konzept nicht nur in einem Studienaufbau, sondern auch in der täglichen Praxis funktioniert, indem es als Pilotprojekt in ein spezifisches, lokales Ökosystem integriert wird.

4. Die zentrale Projektidee besteht darin, ein Werkzeug zu entwickeln, mit dem die besonderen Bedürfnisse, Umstände und Herausforderungen jeder Person mit Diabetes erfasst werden können. Wie ist der Status quo dieses Tools?

Dänemarks Technische Universität leitet gemeinsam mit dem Steno Center Copenhagen, der Universität Kopenhagen und dem Krankenhaus der Stadt Kopenhagen die Entwicklung des Tools. Sie testen derzeit die Benutzerfreundlichkeit mit Patienten und sammeln deren Feedback, bevor es weiter optimiert wird.

5. Die personalisierte Behandlung von Diabetes steht auch im Mittelpunkt der laufenden Transformation der Gesundheitssysteme von volumenbasiert zu wertorientiert. Was hält die Zukunft Ihrer Meinung nach für uns bereit?

Ich sehe in verschiedenen Teilen der Welt eine deutliche Verschiebung von einer volumenbasierten- zu einer wertebasierten Gesundheitsversorgung. Einige Systeme sind weiter fortgeschritten, andere fangen gerade erst an. Im Allgemeinen müssen die Gesundheitssysteme und die Gesellschaft noch an vielen Themen und Hindernissen arbeiten, das heisst an allen Themen rund um Daten  ̶  Eigentum und Datenschutz, Interoperabilität, Cybersecurity; Integration von Technologien, Anreize nach dem generierten Wert statt nach Anzahl der behandelten Patienten usw. Dies ist ein großes Unterfangen und ein langer Weg! Was wir bereits aus den Analysen der Universität Kopenhagen zur Bewertung von VBHC-Piloten in Schweden und Dänemark im Rahmen des iPDM GO-Projekts gelernt haben, ist, dass es eindeutig erforderlich ist, die Lösungen gemeinsam zu entwickeln, was das Ganze noch komplizierter macht. Jede Partei muss etwas „investieren“, um eine „Belohnung / einen Wert“ zu erhalten, und es muss eine „Win-Win-Situation“ für alle Teilnehmer des jeweiligen Ökosystems sein. Das macht es nicht einfach. Nur gemeinsam können wir uns der Herausforderung stellen, die Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme zu gewährleisten.

6. Die Zahl der Menschen mit Diabetes wird voraussichtlich bis 2045 auf 700 Millionen steigen. Wie kann iPDM-GO hier seinen Beitrag leisten?

Die bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem iPDM-GO Projekt legen nahe, dass das Verfahren auch im Bereich der Krankheitsvorbeugung erfolgreich eingesetzt werden kann. Dies wäre natürlich ein neues und separates Projekt, das die Bestimmung eines Gesundheitssystems erfordert, welches daran interessiert ist, diesen Raum zu erkunden und in ihn zu investieren.

7. Was sind Ihre persönlichen Empfehlungen bezüglich Lebensstil für die Diabetesprävention?

Meine persönlichen Empfehlungen sind Bewegung und eine gesunde Ernährung. Identifizieren Sie, was Sie von körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung abhält, und entwickeln Sie dann Überwindungsstrategien. Mir ist bewusst, dass Disziplin halten nicht einfach ist, aber es gibt Tricks. Zum Beispiel: Ich liebe Schokolade, aber Zucker zeigt sich sofort auf meiner Haut. Deshalb begann ich den Schokoladenanteil zu erhöhen und die Zuckermenge zu reduzieren – Schritt für Schritt. Heute esse ich Schokolade mit mindestens 80% Kakaoanteil und interessanterweise ist mein Gesamtbedarf gesunken. Meine Haut kann damit umgehen und ich mag nicht einmal mehr große Mengen Zucker in der Schokolade. In Bezug auf körperliche Aktivität habe ich Glück, weil ich es liebe, draußen aktiv zu sein, aber natürlich gibt es diese Tage, an denen ich keine Lust habe, mich zu bewegen. Dann hilft es mir, mich daran zu erinnern, wie gut es sich danach anfühlt, oder einen Termin mit einem Freund zum Laufen, Radfahren oder Wandern zu vereinbaren, und manchmal reicht sogar nur meine Uhr aus, um mich daran zu erinnern, aufzustehen und mich zu bewegen!

8. Zum Abschluss: Was ist Ihre Schlüsselbotschaft für diesen Weltdiabetestag?

Versuchen Sie es mit iPDM! Denn mit iPDM-GO stellen wir Menschen mit Diabetes und ihr Gesundheitsteam in den Mittelpunkt, um die Kommunikation zwischen ihnen zu fördern und so zu besseren Ergebnissen beizutragen. Dabei sehen wir den Einsatz digitaler Werkzeuge als Schlüsselelement bei der Pflegeversorgung  ̶  insbesondere in Zeiten von Covid-19.