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Welt-Parkinson-Tag 2021: Digitale Pflege verbessert das Leben mit Parkinson

EIT Health Germany beteiligt sich an der Welt-Parkinson-Tag-Kampagne.

Der 11. April ist Welt-Parkinson-Tag, eine Zeit, in der wir zusammenkommen um ein Bewusstsein zu schaffen für das Leben mit Parkinson und um die Forschung nach besseren Therapien und Heilungsansätzen voranzutreiben. Der Tag möchte den Fokus auf diese neurodegenerative Erkrankung werfen, von der alleine in Deutschland aktuell 300.000 – 400.000 Menschen betroffen sind, und über deren Leben mit der Krankheit sowie über aktuelle Entwicklungen in der Behandlung informieren. Wir unterhalten uns heute mit Ralph Steidl, CEO und Gründer von Portabiles HealthCare Technologies, darüber, wie ihr Produkt Mobile GaitLab die Behandlung von Parkinson-Patienten unterstützt.

 

 

          1. Parkinson ist eine progressive und neurodegenerative Erkrankung. Wie trägt Portabiles zur Verbesserung des Lebens von Parkinson-Patienten bei?

Wir helfen Patienten und Ärzten die persönlichen Symptommuster besser zu verstehen, damit diese besser behandelt und vermieden werden können. Dies sind insbesondere „Freezing-of-gait“ (plötzlich auftretende Gangblockaden), sowie Bradykinesie – die drastische Verlangsamung aller Bewegungen, bis hin zum sogenannten ‚OFF‘. Diese Symptome sind die Hauptgründe für die vielen Stürze, unter denen Parkinson-Patienten leiden.

 

          2. Erzählen Sie uns etwas mehr über Mobile GaitLab und seine spezifischen Vorteile für Patienten und Ärzte. 

Mobile GaitLab ist ein Medizinprodukt und besteht aus am Schuh getragenen Bewegungssensoren, einer App, mit der die Patienten Symptome annotieren können und machine learning Algorithmen, die die Gang- und Symptommuster über Tage und Wochen analysieren. Ärzte werden über ein Portal informiert, wenn sich die Symptome verschlechtern. Gleichzeitig sehen sie sofort, zu welchen Tageszeiten die Symptomkontrolle verloren ging und können die Medikation entsprechend anpassen – dies sind häufig fünf oder mehr Parkinson-spezifische Medikamente. Während der Medikationsänderung erhalten sie tagesaktuelle Rückmeldungen zur Wirkung. Dies beschleunigt den Therapieprozess erheblich, Stürze und ihre Folgen können vermieden werden und Patienten und ihre Angehörigen haben eine verbesserte Lebensqualität und Autonomie.

 

          3. Wie denken Sie über den aktuellen Status der Parkinson-Therapie? Was sind Verbesserungen, die vorgenommen werden könnten?

Erfahrene Neurologen sind sehr gut in der Lage, ihren Patienten mit Therapien zu helfen – wenn sie die Symptommuster kennen und die Medikationszusammenstellung individuell auf den Patienten anpassen können. Sie selbst sehen die Symptome aber nur 3 mal 10 Minuten pro Jahr und müssen sich auf die Erinnerung und Tagebücher der Patienten verlassen – die überwiegend sehr ungenau oder gar falsch sind. Neurologen sind damit vergleichbar mit Piloten, die sehr gute Flieger sind, aber mit falschen Instrumentenanzeigen im Nebel navigieren müssen. Dies führt dazu, dass die Medikation häufig kontraproduktiv ist – zur falschen Zeit steht zu viel Dopamin im Gehirn zur Verfügung und die Patienten leiden unter übersteuerten Bewegungen, wenig später steht zu wenig Dopamin zur Verfügung und sie können sich überhaupt nicht mehr bewegen. Dies wechselt mehrmals täglich und ist unvorstellbar belastend für die Patienten und ihre Angehörigen.

Die Corona Krise verschärft diese Situation: aus Angst, sich zu infizieren, verzichten viele Patienten auf einen Besuch beim Neurologen, auch wenn es ihnen schlechter geht. Nicht-Versorgung ist das schlimmste, was Patienten passieren kann, da dies sehr schnell zu lebensbedrohlichen Zuständen führen kann. Wir stellen den Neurologen ein Cockpit mit präzisen Instrumenten zur Verfügung, das auch eine telemedizinische Versorgung zuließe.

 

          4. Portabiles ist seit vielen Jahren Teil des EIT Health-Netzwerks. Letztes Jahr im Mai haben Sie Unterstützung über das EIT Health Start-up Rescue Instrument erhalten. Wie ist das Unternehmen mit der Covid-Krise im Allgemeinen umgegangen?

In Folge der Covid-Krise wurden viele klinische Studien durch Pharma- und Medtech-Unternehmen, die unsere Kunden sind, verschoben. Dies führte zu Liquiditätsengpässen, die durch das Start-up Rescue Instrument aufgefangen wurden. Damit konnten wir nicht nur unser Produkt auf den nächsten Level heben, sondern auch weitere Investoren gewinnen. Das Rescue Instrument war also in vielfacher Hinsicht ein entscheidender Katalysator.

 

          5. Eine abschließende persönliche Nachricht zum Welt-Parkinson-Tag?

Wir sollten alle zur Verfügung stehenden digitalen und analogen Mittel ausschöpfen, um Parkinson-Patienten weltweit Zugang zu optimaler medizinischer Versorgung zu gewährleisten. Sie benötigen diese dringend.