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Speeddating mal anders – Startups und Krankenkassen erarbeiten neue Ansätze für digitales Gesundheitswesen

Am 22. Oktober luden EIT Health Germany, EIT Digital und 5-HT Digital Hub for Chemistry & Health in Heidelberg zu einem Treffen der besonderen Art: Die drei Initiativen brachten bei der Veranstaltung „Insuring Digital Health“ Healthcare Startups mit namhaften Vertretern gesetzlicher Krankenkassen (GKV) zusammen, um gemeinsam patientennahe Lösungen für die digitale Gesundheitsversorgung von morgen zu entwickeln.

Während der digitale Wandel längst Einzug in Arztpraxen und Krankenhäuser gehalten hat, stehen Startups noch immer vor der Aufgabe, die eigenen digitalen Innovationen in Einklang mit den Bedürfnissen der Patienten und vor allem den Anforderungen des Gesundheitswesens – hier im Besonderen der Erstattungssysteme zu bringen. Auf der einen Seite stehen Prozesse im Bereich der Diagnostik und Therapeutik, die durch Produktneuheiten an Effizienz gewinnen können und somit Einsparungspotentiale für das Solidarsystem bieten. Gleichzeitig besteht die Herausforderung, Produkte zu entwickeln, die Patienten den Umgang mit ihren Daten und der jeweiligen Erkrankung erleichtern und gleichzeitig dem medizinischen Fachpersonal somit einen direkten Nutzen hinsichtlich Qualitätssicherung und Effizienz bieten.

„Bei jedem noch so spannenden Projekt mit Pioniercharakter ist immer die Frage zu stellen, inwiefern die Patienten als die wichtigsten Protagonisten an dieser Stelle einen Vorteil daraus ziehen können und wo der ganzheitliche Nutzen für das Gesundheitswesen liegt. Ohne die Faktoren Nutzbarkeit und Finanzierbarkeit ist ein Markteintritt absolut nicht realistisch. Das Veranstaltungsformat haben wir mit dem Ziel entwickelt, den eingeladenen Startups einen direkten Austausch mit Krankenkassen wie beispielsweise der AOK oder der TK zu ermöglichen und so die Entwicklung zielgerichteter Produktinnovationen voranzutreiben, die den Bedarf aller Beteiligten bedienen werden.“
Dr. Michael Lüttgen, Liaison Manager bei EIT Health

Eingeleitet wurde die Veranstaltung am Mittag mit einem Vortrag von Nicklas Linz, CEO von ki elements, einem Spin-Off des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), der über die Früherkennung und Prävention kardiovaskulärer, affektiver und demenzieller Erkrankungen durch künstliche Intelligenz referierte.

„Es ist offensichtlich, dass durch das neue digitale Versorgungsgesetz, die eHealth-Initiative der Bundesregierung, aber auch die neue elektronische Patientenakte, die bis 2021 bei allen Kassen vorliegen muss, für alle Krankenkassen ein gewisser Handlungsdruck in Sachen Digitalisierung besteht. Auch unsere Versicherten wollen diese neuen digitalen Produkte und Dienstleistungen. Wir sind daher sehr an solchen Veranstaltungen interessiert und suchen aktiv innovative digitale Produkte und Kooperationen mit Startups. Wichtig ist aber in diesem Zusammenhang, dass Startups sich früh mit den Anforderungen von Krankenkassen auseinandersetzen und sich gut vorbereiten. Das Thema Zertifizierung ist hierbei nur ein Aspekt, der bei der Zusammenarbeit von Startups mit Krankenkassen eine entscheidende Rolle spielt.“
Christian Goedel, Startup Consultant BARMER

Im Anschluss stellten sich die Vertreter von insgesamt acht in der Region Baden-Württemberg ansässigen Krankenkassen vor: Neben der AOK Baden-Württemberg, der Barmer, der BIG direkt gesund und der IKK Südwest, waren auch die KNAPPSCHAFT, die mhplus Krankenkasse, die pronova BKK und last but not least die Techniker Krankenkasse vertreten.

Volker Latz, Ressortleiter Gesundheit bei der pronova BKK meint: „Der Patient von morgen, der heute 30 oder 40 Jahre alt ist, der wird eine andere Erwartungshaltung in Sachen Kommunikation und Versorgung an uns Krankenkassen haben als das heute der Fall ist und dem müssen wir frühzeitig gerecht werden. Daher sind Veranstaltungen dieser Art für uns extrem wichtig.“

Nachdem die acht zuvor von den Veranstaltern ausgewählten Startups die Gelegenheit bekamen ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen in kurzen 5-minütigen Pitches den anwesenden Krankenkassen vorzustellen, begann der Hauptteil der Veranstaltung – das Speeddating. Hierbei hatten die Teilnehmer von beiden Seiten 15 Minuten Zeit, um Potenziale für mögliche Kooperation zu identifizieren und konkrete nächste Schritte zu vereinbaren.

„Meine Erfahrung als direkter Kontakt für Startups in der Techniker Krankenkasse zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, dass sich Startups insbesondere aus dem Bereich MedTech   mit Krankenkassen und anderen wichtigen Akteuren des Gesundheitswesens in einem frühen Entwicklungsstadium unterhalten. Sie sollten möglichst frühzeitig eine qualifizierte Einschätzung und Rückmeldung dahingehend bekommen, ob das eigene Produkt oder die angebotene Dienstleistung in die Versorgungsrealität nicht nur reinpasst, sondern wie man es vielleicht auch passend machen kann. Insofern sehe ich mich heute bei diesem Event in der Rolle des Zuhörers und Beraters, der den Startups in diesem Punkt unmittelbar Rückmeldung und Rat gibt.“
Cristina Montesinos-Handtrack, Referentin für ambulante Versorgung, Techniker Krankenkasse

Am Ende des Speeddatings waren beide Seite ziemlich erschöpft, aber sich auch gleichermaßen einig sehr gute und wertvolle Gespräche geführt zu haben, die in einigen Fällen sogar zu weiterem Austausch und Verhandlungen führen werden.

„Veranstaltungen dieser Art sind für alle Krankenkassen sehr wichtig. Besonders freut mich, dass das Ganze heute hier in einem eher kleinen Rahmen stattfindet, der es sowohl den teilnehmenden Krankenkassen als auch den Startups in Einzelgesprächen ermöglicht konkrete Synergien zu entdecken und weitere Schritte zu vereinbaren. Ich kann für die KNAPPSCHAFT sagen, dass heute hier auf jeden Fall zwei bis drei für uns sehr interessante Ansätze dabei waren. Ich werde jetzt intern auf meine Fachkollegen zugehen, die Projekte vorstellen, um dann direkt in Kontakt zu den entsprechenden Startups zu treten.“
Daniela Glahn, Prodfuktmanagerin Digitalprojekte, KNAPPSCHAFT

Die Veranstalter jedenfalls waren sich am Ende dieses ersten Events ‚Insuring Digital Health‘ sicher hier ein Format gefunden zu haben, dass sowohl Krankenkassen als auch Healthcare Startups gleichermaßen begeistert, bei der Findung von realen Kooperationsansätzen unterstützt und somit einen wertvollen Beitrag für die nachhaltige Einführung innovativer Gesundheitslösungen leistet.