News

Landkarte der Krebsgenomforschung wird neu gezeichnet

Die genetischen Ursachen von Krebs sind noch vielfältiger als bisher wissenschaftlich belegt. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der ETH Zürich und des Universitätsspitals Zürich. Sie haben im Rahmen einer internationalen Forschungszusammenarbeit zum bisher umfassendsten Kompendium für krebsrelevante Gen-​Veränderungen beigetragen, das auf der Analyse von vollständigen Krebsgenomen basiert.

So umfassend sind die genetischen Ursachen von Krebs noch nie untersucht worden: Über 1300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 37 Ländern und über 70 Forschungsinstitutionen haben sich im «Pan-​Cancer Analysis of Whole Genomes Project» (PCAWG), kurz: Pan-​Cancer-Projekt, zusammengeschlossen, um zu erforschen, wie genau das menschliche Erbgut Krebs verursacht. Ihr Augenmerk richtete sich auf krebsrelevante Veränderungen im Genom. Genome sind die biologischen Speicher der gesamten vererbbaren Information einer Zelle. Im Pan-​Cancer-Projekt untersuchten die Forschenden mehr als 2600 vollständige Genome von 38 verschiedene Tumorarten. Sie erfassten praktisch jedes Krebsgenom, das zu Projektbeginn zugänglich war.

Ein neues Gesamtbild des Krebsgenoms

Eine Haupterkenntnis ist, dass das Krebsgenom begrenzt und erkennbar, wenn auch enorm kompliziert sei. Tumorarten lassen sich demnach anhand von Mustern genetischer Veränderungen im Genom identifizieren.

Während frühere Studien sich auf zirka 1 Prozent des Genoms konzentrierten, wurden im Pan-​Cancer-Projekt die restlichen 99 Prozent des Genoms detaillierter untersucht. Dadurch wurden neue Schlüsselregionen identifiziert, die das An- und Ausschalten von Genen regulieren und somit krebserzeugende Veränderungen auslösen können. In diesem Sinn ist die Landkarte der Krebsgenomforschung neu gezeichnet worden.

Gunnar Rätsch, Photo: ETH Zurich / Giulia Marthaler

«Im Prinzip haben wir die verschiedenen Puzzleteile zu einem vollständigeren Gesamtbild zusammengesetzt. Nun können wir das Krebsgenom fast vollständig lesen», sagt Gunnar Rätsch, «auch wenn der Weg noch weit ist, bis wir alle Einzelheiten vollständig verstehen.» Im Pan-​Cancer-Projekt hat der Professor für Biomedizininformatik an der ETH Zürich und am Universitätsspital Zürich eine Arbeitsgruppe geleitet – zusammen mit Angela Brooks von der University of California, Santa Cruz, und Alvis Brazma vom European Bioinformatics Institute (EMBL-​EBI).

Diese Gruppe untersuchte, wie sich Veränderungen der RNS-​Erbinformation auf die Entstehung von Krebs auswirken. In einer Publikation in der Fachzeitschrift Nature haben sie nun den bisher umfassendsten Katalog krebsspezifischer RNS-​Veränderungen vorgestellt.

Den ganzen Artikel können Sie hier lesen.