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„Pink steht für desinfiziert“ – Ein Interview mit Robert Hellmundt, Gründer & CEO von Heyfair.

Heute schließen wir uns dem Rest der Welt an und begehen gemeinsam den Welttag der Handhygiene. Angesichts der COVID-19 Pandemie sind saubere Hände auch wichtiger als je zuvor.

Anlässlich des Welttags der Handhygiene sensibilisiert die „SAVE LIVES: Clean Your Hands“-Kampagne der WHO jährlich weltweit für den Stellenwert der Handhygiene und ruft zu einer globalen Verbesserung der Handhygienebedingungen auf. Entlang der Bemühungen und des Engagements der WHO schließt sich das deutsche Startup Heyfair diesem Bestreben mit seinem sichtbaren Händedesinfektionsmittel an. Wir haben mit Robert Hellmundt gesprochen, seines Zeichens Gründer und CEO von Heyfair, und haben mehr über das Heyfair Produkt, Handhygiene im Allgemeinen sowie die Wichtigkeit des richtigen Händewaschens in Zeiten wie diesen erfahren.

1. Handhygiene spielt ja speziell im medizinischen Umfeld eine wichtige Rolle, werden doch Erreger und Keime meistens durch die Hände übertragen. Deshalb hat hier eine ordnungsgemäße Handhygiene einen sehr hohen Stellenwert. Laut WHO pflegen jedoch ca. 70 Prozent der Angestellten im Gesundheitswesen eine nicht ausreichende Handhygiene. Und hier kommt Heyfair zum Einsatz: wie schlagt ihr vor, etwas an diesem Zustand zu ändern?

Die Leute vergessen einfach, ihre Hände zu desinfizieren, oder aber sie tun es nachlässigerweise, weil sie keine direkte Auswirkung ihres Verhaltens sehen. Das ist sowieso ein typisches Problem bei Hygiene und Präventionsmaßnahmen im Allgemeinen. Du kannst die Infektionen, denen du vorbeugst, nicht sehen, genauso wenig die Keime, die du übertragen könntest, geschweige denn den Effekt des Schutzes. Aus diesem Grund ist die Motivation der Menschen, sich richtig zu desinfizieren, meistens eher niedrig. In der Folge müssen die Krankenhäuser dann eine Reihe von Maßnahmen einleiten, um die Compliance zu verbessern, also die Einhaltung der Vorschriften durch die Mitarbeiter. Unser Ziel ist es, hier eine Veränderung zu bewirken und zwar, indem wir Hygiene einfach sichtbar machen – mit einem vorübergehend sichtbaren Händedesinfektionsmittel. Das Produkt färbt die Haut nach Anwendung intensiv pink, die Farbe verschwindet aber vollständig innerhalb von einer, höchstens zwei Minuten. Dabei färben sich ausschließlich jene Körperpartien, die ordentlich desinfiziert wurden, was bedeutet, dass der Anwender in Echtzeit nachvollziehen kann, ob genug Desinfektion verwendet wurde. Die Anwender lernen schnell: Pink steht für desinfiziert. In der Konsequenz sind Menschen eher dazu geneigt, den Infektionsschutz anzuwenden, die Compliance wird signifikant erhöht, auch weil jeder ganz einfach sehen kann, ob die eigenen Hände oder die von Kollegen, Patienten oder Besuchern korrekt desinfiziert wurden.

2. Woher kam die Idee, eine Lösung für einen der akutesten Probleme des Gesundheitssystems zu entwickeln?

Es war im Jahr 2014, als wir herausgefunden haben, dass eine gute Handhygiene in signifikanter Weise die Prävalenz der im Krankenhaus zugezogenen Infektionen vermindern kann. Aber wir haben auch herausgefunden, dass es recht schwer ist, sich stets an die Hygienevorgaben zu halten und korrekt zu desinfizieren, daher auch das beinahe unmögliche Unterfangen, ein hohes Niveau an Compliance zu erreichen und dann auch zu erhalten. Unser Hintergrundwissen und unsere Kenntnisse im Bereich Visuelle Kommunikation haben dann dazu geführt, dass wir das zugrunde liegende Problem sofort erkannt haben: Desinfektion ist ein nicht sichtbarer und somit abstrakter Prozess. Daher ist das ziemlich unbefriedigend und eintönig, vor allem wenn man es am Tag dutzende Male machen muss. Uns erschien daher die Lösung, die Desinfektion temporär sichtbar zu machen, in dem Moment nur logisch und natürlich. Die Leute wollen eben eine direkte Wirkung, einen Effekt ihrer Handlungen sehen. Und genau das haben wir mit unserem Produkt möglich gemacht.

3. Die Farbe eures Infektionsschutzes ist ja recht markant: leuchtendes Pink. Was hat euch dazu bewogen, gerade diese Farbe auszuwählen? 

Nach zwei Jahren Forschung, Förderung und Konzeptionierung haben wir mit der Entwicklung einiger Prototypen begonnen. Wir wollten eigentlich ein himmelblaues Endprodukt, sind dann mit den ursprünglichen blauen Prototypen auf Krankenhauspersonal zugegangen und haben sie um eine Testrunde und ihre Meinung gebeten. Das Ergebnis ließ zu wünschen übrig: „Schlumpfhände!“ oder „Eine Kohlenmonoxidvergiftung!“ Alle fanden unser tolles frisches Blau schrecklich, es sah einfach zu unnatürlich aus. Für uns hieß das: zurück ins Labor, weitere Farben ausprobieren. Am Ende war Pink der klare Gewinner, es war unserer natürlichen Hautfarbe noch am Ähnlichsten, jedoch gleichzeitig auch irgendwie frisch und auffällig genug.

4. Der weltweit begangene Tag der Handhygiene fällt jährlich auf den 5. Mai. In diesem Jahr ist sein Stellenwert relevanter als je zuvor, befindet sich die Welt doch gerade mitten im Kampf gegen Covid-19. Hast du ein paar Tipps, wie in diesen Zeiten Compliance bei den Mitarbeitern sichergestellt werden kann?

Aktuell ist die Compliance wahrscheinlich ungewöhnlich hoch, weil jeder bemüht ist, sich selbst und andere vor dem Virus zu schützen. Wir haben dabei ehrlich gesagt auch einige eher kopflose, natürlich panikgetriebene Aktionen beobachtet. Das ist der Grund, weshalb ich denke, dass ein Bedarf nach viel mehr Schulungen hinsichtlich profunder und bewährter Hygienemaßnahmen besteht – vor allem jetzt. Wir sollten uns außerdem darauf konzentrieren, weiterhin an der Verbreitung von Grundlagenwissen zur Hygiene zu arbeiten und dieses Wissen dann auch schnell und so weitreichend wie möglich in die täglichen Arbeitsabläufe der Beschäftigten einzubringen. Ein Beispiel für eine Verbesserung in der Handhygiene: Leute lernen bis heute die „6-Schritte-Methode“, eine wenig intuitive und überholte Desinfektionstechnik, die fast sicher zur Folge hat, dass Anwender ihre Fingerkuppen und Daumen am Ende nicht richtig desinfiziert haben. Diese wichtigen Partien mit ihren hohen Keimzahlwerten und dem meisten Kontakt zur Umwelt werden häufig sogar noch nach der Desinfektion verunreinigt. Ich finde es sehr enttäuschend, dass die WHO diese längst veraltete Technik immernoch empfiehlt.

5. Was denkst du, wie sieht die Handdesinfektion der Zukunft aus? 

Na ich hoffe, hauptsächlich pink 🙂

6. Zuletzt noch die Frage nach deiner persönlichen Message zum Welttag der Handhygiene 2020?

Denkt an die 5 Momente, vergesst die 6-Schritte-Regel und ansonsten: Aufklärung, Schulung, Training.