EIT Health Germany Blog

Meine Erfahrungen mit dem Start-ups Meet Healthcare Providers – Blogpost mit Felix Landmesser, Mitbegründer und Geschäftsführer bei HealthX Future

Die Corona-Pandemie hat zumindest temporär viel Aufmerksamkeit auf die Probleme in der Altenpflege gelenkt. Nicht erst seit Beginn der Pandemie stoßen Pflegekräfte an ihre Belastungsgrenze, schon lange mangelt es an dringend benötigtem Personal. Die Pfleger:innen in der ambulanten und stationären Altenhilfe leiden unter Stress und Überbelastung, eine Lösung im Sinne einer merklichen Entlastung ist nicht in Sicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren rasant ansteigen wird. Bis 2030 werden bis zu sechs Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein[1], deutlich mehr Menschen als bislang angenommen.

Den Personalmangel können wir als Start-up nur schwerlich lösen, hierfür braucht es eine langfristige Weichenstellung durch die Politik. Wir können aber durch den Einsatz von Technologie Pflegekräfte sinnvoll unterstützen. Für die eigentlichen pflegerischen Tätigkeiten wenden die Pfleger:innen weniger als 20% ihrer Zeit auf. Dokumentation, administrative Aufgaben oder organisatorische Fragen fressen wertvolle Zeit, die dann mit den Patient:innen und Bewohner:innen fehlt. Hier setzen wir an: Gemeinsam mit engagierten Pflegekräften und Einrichtungsleitungen haben wir eine Plattform entwickelt, um Kommunikationsprozesse und Arbeitsabläufe insgesamt zu verbessern. Unsere App ermöglicht eine schnelle, sichere und vor allem intuitive Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten am Pflegeprozess. Dabei digitaliseren wir verschiedenste Prozesse in der Pflege. Jetzt aber zum eigentlichen Thema: Wie sah unsere Reise im SMHCP Programm aus?

Unsere Bewerbung

Die Challenge der Diakonie Baden im Rahmen des SMHCP Programm passte zu unserer bereits entwickelten Lösung, mehr noch aber zu der Vision unseres Start-ups, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Für uns schien die Möglichkeit spannend, unsere App gemeinsam mit einem starken und etablierten Partner auf das nächste Level zu heben. Dabei haben wir uns bei der Bewerbung wichtige Synergieeffekte versprochen und vor allem wertvolles Feedback der Pflegekräfte. Wir haben uns also beworben und gehörten nach erfolgreicher Einreichung und Pitch-Auswahl zu den ausgewählten Start-ups für die erste Auflage des SMHCP Programms.

Das Programm

Das Programm startete in Modul 1 mit einer Woche voller Input: Workshops, Trainings und spannende Vorträge rund um das Gesundheitswesen. Ohne Untertreibung kann man sagen, dass das EIT Health Germany Team ein unglaublich hochkarätiges Speaker-Line-up aufgestellt hat. Wir konnten viel lernen!

In Modul 2 hatten wir dann erstmalig nach dem Bewerbungs-Pitch Kontakt zu Entscheidungsträger:innen der Diakonie Baden. Der Kontakt wurde mit Erreichen der dritten Moduls noch einmal intensiviert und wir durften einen konkreten Vorschlag für die weitere Zusammenarbeit mit der Diakonie präsentieren. Ebenfalls im dritten Modul haben wir weitere Leistungserbringer des SMHCP Programms virtuell getroffen und hatten auch dort einen guten Austausch.

Den offiziellen Abschluss des Programms bildet der Demo Day, an dem alle Start-ups noch einmal gepitcht haben. Leider haben wir kein Ticket zum EIT Health Annual Summit in Stockholm gewonnen, dafür mit der Diakonie Baden aber einen tollen Partner, mit dem wir seit Programmende weiterhin in intensivem Austausch stehen.

 

Nächste Schritte

Modellhaft wird die Evangelische Altenhilfe in St. Georgen zeitnah unsere Lösung für interne Kommunikationszwecke einsetzen und den Mitarbeitenden wichtige Informationen über unser Digitales Schwarzes Brett anbieten. Das detaillierte Feedback der Anwender:innen in St. Georgen hat uns geholfen, in wenigen Feedback-Schleifen die Lösung an die Bedarfe vor Ort anzupassen. Denn unser gemeinsames Ziel ist klar: Die Pilotierung soll schnell starten, um weiteres Feedback zu sammeln und bestenfalls unsere App auch zeitnah weiteren Einrichtungen der Diakonie anbieten zu können.

Gemeinsam mit der Diakonie Baden entwickeln wir unsere Lösung nun auch für ambulante Dienste weiter. Schließlich sind für die Case Manager mobile und intuitiv zu nutzende Lösungen wichtig im Pflege-Alltag. Entscheidend ist, dass alle relevanten Informationen transparent den Pflegenden vorliegen und eine intuitive Kommunikation in Echtzeit sichergestellt ist.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Ein weiterer Meilenstein wird die Anbindung pflegender Angehöriger sein. Viele pflegebedürftige Menschen möchten ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen und in den eigenen vier Wänden mit Unterstützung weiterleben. Die rund fünf Millionen pflegenden Angehörigen[2] sind dabei das Rückgrat in der häuslichen Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. Etwa drei Viertel der rund 4,1 Millionen Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt[3]. Die hohe Belastung macht aber auch vor den Angehörigen nicht Halt, umso wichtiger sind daher Entlastungsangebote im Zusammenspiel mit professionell Pflegenden. Unsere App wird zielgerichtet die niedrigschwellige Vernetzung zwischen pflegenden Angehörigen, ambulanten Diensten und weiteren Leistungserbringern ermöglichen, um Versorgung zu verbessern und Pflegende zu entlasten. Daran werden wir in den kommenden Monaten mit der Diakonie Baden, den engagierten Pflegenden vor Ort und weiteren Partnern arbeiten.

Angedacht sind darüber hinaus Forschungsprojekte, um weitere innovative Ansätze in der Pflege wissenschaftlich fundiert zu erproben. Auch hier hilft es ungemein, dass die Challenge im Rahmen des SMHCP Programms von Anfang an großen Rückhalt durch Entscheidungsträger:innen der Diakonie hatte und jederzeit das Commitment auf allen Ebenen spürbar ist.

Bewerbt Euch und startet mit dem SMHCP Programm durch!

Wir freuen uns, durch das Programm einen innovativen Sparringspartner gefunden zu haben, der ernsthaft an einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Start-ups interessiert ist. Uns wurden in kurzer Zeit Türen geöffnet, die für uns normalerweise verschlossen wären und wir haben passende Ansprechpartner:innen für unsere Anliegen bekommen. Die schon heute gewonnen Einblicke sind unheimlich wertvoll, sodass wir ein rundum positives Fazit nach Abschluss des neuen SMHCP Programms ziehen: Liebe Start-ups, investiert Zeit in die Bewerbung und das Programm, es ist eine außergewöhnliche Chance und kann der nötige Booster für Eure Entwicklung sein.

 

 

[1] BARMER-Pflegereport 2021
[2] Pflege in Deutschland – Zahlen und Statistiken (Statistisches Bundesamt, 2022)
[3] Pflege in Deutschland – Zahlen und Statistiken (Statistisches Bundesamt, 2022)