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Health-Jahrestagung von euroforum und HIMSS: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf dem Vormarsch

Podiumsdiskussion mit Dr. Katharina Ladewig, CEO von EIT Health Germany

Die COVID-19-Pandemie hat der Digitalisierung der deutschen Gesundheitsversorgung einen kräftigen Schub verpasst. Zu diesem Schluss kam die Health-Jahrestagung der Handelsblatt-Tochter euroforum und der Management Systems Society (HIMSS), die dieses Jahr vom 12. bis 13. November 2020 online stattfand. Dr. Katharina Ladewig, Geschäftsführerin von EIT Health Germany, nahm im Rahmen der Veranstaltung an einer Podiumsdiskussion zum aktuellen Stand und den Aussichten von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) teil. Sie debattierte mit zwei führenden Vertretern von aufstrebenden Unternehmen der Digital-Health-Branche. Dabei machte sich ein weitestgehender Optimismus hinsichtlich des Digitalisierungsprozesses breit.

Start-up/Scale-up – der Corona-Boost für die digitale Gesundheitsversorgung

Digitale Gesundheitsinnovationen wie die Caspar-Health Online-Therapieplattform für Reha-Kliniken und die Cara Care App für Patienten mit Reizdarm-Syndrom profitieren von der aktuellen Situation durch höheres Interesse ihrer jeweiligen Zielgruppen. In der Podiumsdiskussion mit Dr. Katharina Ladewig sprachen Dr. Lara Maier, Head of Medical and Business bei Caspar-Health, und Jesaja Brinkmann, Co-Founder von Cara Care, über die Chancen und Herausforderungen von DiGA im sich wandelnden deutschen Gesundheitssystem. Dabei wurde schnell klar, dass die drei Teilnehmer den gegenwärtigen Boost der Digitalisierung nicht für ein Strohfeuer halten: „Jeder lernt in dieser Zeit mehr über die Möglichkeiten einer digitalen Gesundheitsversorgung“, erklärte Dr. Ladewig. Bei der nachhaltigen Gestaltung von Innovationen spiele vor allem ein anhaltender Mehrwert für die Patienten eine Rolle. Da sich Cara Care an eine chronisch erkrankte Zielgruppe richtet und die Online-Therapieplattform von Caspar-Health Kliniken die Versorgung einer höheren Patientenzahl ermöglicht, sahen Brinkmann und Dr. Maier diese Voraussetzungen in ihren Unternehmen erfüllt.

Chancen und Herausforderungen durch die Zertifizierung von DiGA

Das Potenzial von DiGA, die Diagnose und Behandlung von Krankheiten sowie eine gesunde Lebensführung zu fördern, wurde durch das Inkrafttreten des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes (DVG) im Dezember 2019 gesetzlich anerkannt. So können seit Ende Mai 2020 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im DiGA Verzeichnis gelistete Anwendungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen vom Arzt verordnet werden. Während Dr. Ladewig, Dr. Maier und Brinkmann die Zertifizierungsmöglichkeit prinzipiell befürworteten, sahen sie großen Raum für Verbesserungen. So kommt für Caspar-Health eine Zertifizierung der Online-Therapieplattform derzeit nicht in Frage, da diese einen Fokus auf bestimmte Patientengruppen erfordert, während sich das Angebot selbst an Kliniken richtet. Brinkmann bestätigte zwar ein laufendes BfArM-Zulassungsverfahren für die Cara Care App, äußerte aber Bedenken bezüglich der Entscheidung des europäischen Gerichtshofs (EuGh) hinsichtlich der „Privacy Shields“- „Um die Zertifizierung zu validieren, müssen die Prozesse in Einklang mit der geltenden europäischen Datenschutzgrundverordnung gebracht werden.“ Aus diesem Grund sei eine Nachbesserung zwingend notwendig.

Sichtbarkeit von Mehrwert durch evidenzbasierte Ergebnisse

Für die allgemeine Anerkennung von digitalen Gesundheitsinnovationen durch Gesundheitsdienstleister, Krankenkassen und Patienten sind vor allem evidenzbasierte Ergebnisse notwendig. Darüber, dass die Hersteller keine Kosten und Mühen scheuen sollten, diese zu liefern, waren sich Dr. Maier und Brinkmann einig, worüber Dr. Ladewig sich positiv überrascht zeigte. „Häufig sind sich Start-ups und noch junge Unternehmen nicht darüber bewusst, wie wichtig evidenzbasierte Daten für die Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen und damit für den Markterfolg ihrer Innovationen im Gesundheitsbereich sind“, merkte sie an. Nach einer vorläufigen Aufnahme in den DiGA-Katalog des BfArM haben DiGA-Hersteller derzeit ein Jahr Zeit, um den generierten Mehrwert durch ihr Produkt unter Beweis zu stellen. Dabei seien die Anforderungen keinesfalls zu niedrig, wie die Teilnehmer der Podiumsdiskussion fanden – eine längere Zeitspanne zur Evidenzfindung habe schließlich auch eine Verlangsamung der Innovationsprozesse zur Folge. Wo es Nachbesserungsbedarf gäbe, müsse man dann nachsteuern, meinte Dr. Ladewig. „Schließlich ist das Ziel, dass die besten Technologien schnell auf dem Markt und beim Patienten sind.“

Am Ende der Podiumsdiskussion äußerte Dr. Ladewig vor allem einen Wunsch: „Dass wir diese mutigen Schritte nach vorne nicht wieder zurückgehen, sondern die Digitalisierung fest im deutschen Gesundheitssystem verankern und alle Möglichkeiten nutzen, die sie bietet.“