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Finanzierung europäischer Startups auf Rekordniveau – Paris überholt Berlin

Mehr Geld für europäische Startups: Investitionen steigen im ersten Halbjahr um 62 Prozent, Anzahl der Finanzierungsgeschäfte um 10 Prozent.

Im ersten Halbjahr erhielten junge europäische Unternehmen mehr Geld als je zuvor: Der Gesamtwert der Startfinanzierung stieg im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro. Dagegen stieg die Anzahl der Finanzierungsrunden nur um 10 Prozent auf 2.301. Trotz des bevorstehenden Durchbruchs konnte Großbritannien seine führende Position in der europäischen Start-up-Szene behaupten und sogar ausbauen: In britische Startups flossen insgesamt 6,7 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (plus 112 Prozent). Französische Startups erhielten 2,8 Milliarden Euro, 43 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Gemessen am Investitionsvolumen liegt die Schweiz an fünfter Stelle, wobei die Startup-Investitionen um 46 Prozent auf fast 600 Millionen Euro stiegen.

Im europäischen Städte-Ranking belegt London mit 5,7 Milliarden Euro den ersten Platz – mehr als im gesamten Vorjahr. Die Verfolger Paris (2,2 Milliarden Euro) und Berlin (2,0 Milliarden Euro) liegen weit zurück. Auch in Bezug auf die Anzahl der Transaktionen überholt die französische Hauptstadt Berlin: Im ersten Halbjahr wurden im Großraum Paris insgesamt 230 Anlaufinvestitionen getätigt. London liegt im Vergleich zu 323 Finanzierungstransaktionen immer noch an der Spitze.

Das sind die Ergebnisse des Startup-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Die Studie basiert auf einer Analyse von Investitionen in europäische Start-ups. Start-ups sind Unternehmen, die nicht älter als 10 Jahre sind. „Der Finanzierungsboom für junge Unternehmen hält an“, beobachtet Hubert Barth, CEO von EY in Deutschland. „Immer mehr Start-ups erhalten frisches Kapital, und auch die Investitionssummen klettern auf Rekordniveau. Vor allem sehr große Deals boomen: In ganz Europa hat sich die Zahl der Transaktionen, bei denen 100 Millionen Euro und mehr geflossen sind, mehr als verdoppelt, von zwölf auf 26.“

„Das europäische Startup-Ökosystem ist in der ersten Jahreshälfte noch stärker geworden“, ergänzt Peter Lennartz, Partner bei EY. „Die Dynamik ist beeindruckend und erreicht zunehmend kleinere Märkte, die bisher noch nicht so sehr im Fokus standen. So stieg beispielsweise die Zahl der Finanzierungsrunden in Schweden um 19 Prozent, in der Schweiz um 25 Prozent und in Ungarn um 22 Prozent.“

Besonders auffällig ist laut Lennartz der anhaltende Aufwärtstrend in Frankreich: „Französische Politiker haben den Start-up-Sektor zur obersten Priorität erklärt und verfolgen das klare Ziel, Frankreich zum Top-Startup-Standort in Europa zu machen, indem sie bürokratische Hürden für Jungunternehmer abbauen und Investoren und Gründer zusammenbringen. Die massive politische Unterstützung für die Startup-Szene zeigt Wirkung – bei der Anzahl der Transaktionen liegt Frankreich nun deutlich vor Deutschland.“

„Neben der dynamischen Entwicklung in Frankreich ist vor allem der enorme Vorsprung Londons hervorzuheben“, ergänzt Lennartz: „Jeder dritte Euro des in Europa in der ersten Jahreshälfte investierten Risikokapitals ging an ein Londoner Startup. Das Brexit-Chaos scheint kaum etwas mit der starken Entwicklung der Londoner Startup-Szene zu tun zu haben. Allein in der britischen Hauptstadt wurden im ersten Halbjahr 16 Finanzierungsrunden über der 50-Millionen-Euro-Marke abgeschlossen. „Berlin und Paris kommen jeweils auf neun Transaktionen dieser Größenordnung.“

Sehr starkes zweites Halbjahr absehbar – vor allem in Deutschland

Der aktuelle Konjunkturabschwung scheint kaum Auswirkungen auf den Risikokapitalmarkt zu haben – zumindest setzt sich der Aufwärtstrend in Deutschland in der laufenden zweiten Jahreshälfte fort: Im dritten Quartal wurden in Deutschland 2,2 Milliarden Euro an junge Unternehmen vergeben – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (965 Millionen Euro). Das Gesamtfinanzierungsvolumen in Deutschland beträgt damit aktuell 4,9 Milliarden Euro – und liegt damit bereits auf dem Niveau des gesamten Vorjahres. „Der Trend zu großen Finanzierungsrunden hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt“, beobachtet Lennartz.

Britisches Startup erhält das meiste Geld

Die bisher größte Finanzierung des Jahres ging an ein britisches Unternehmen: Das Internet-Satelliten-Startup-Unternehmen One-Web erhielt 1,1 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Transaktion war die Finanzierung von 885 Mio. EUR für den schwedischen Batteriehersteller North volt, an der unter anderem Volkswagen und BMW beteiligt waren. Der größte Deal in Deutschland – eine Finanzspritze von 428 Millionen Euro für die Berliner Reiseplattform GetYourGuide – liegt im europäischen Ranking auf Platz fünf.

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